Bellevue
Lichtblicke für das Hansaviertel?
Die Bezirksverordnetenversammlung hat in den letzten Jahren unzählige Nachfragen gestellt und Beschlüsse gefasst: Nicht nur der Rasen vor dem Einkaufszentrum ist kaputt, sondern auch die Pergola, außerdem gibt es viele Probleme mit der Sicherheit und überhaupt meiden etliche Anwohner:innen nachts den U-Bahnhof.
Nachdem es im vorigen Jahr auf einer Veranstaltung der Polizei zu sehr vielen Beschwerden gekommen war, hatte am 7. Mai nun das Bezirksamt Mitte zu einem Bürgergespräch in das Gymnasium Tiergarten eingeladen. Anwesend waren nicht nur die Bezirksbürgermeisterin Remlinger, Baustadtrat Gothe und Umwelt-, Ordnungs- und Verkehrsstadtrat Schriner, sondern auch Vertreter der örtlichen Polizei und nicht zuletzt mehr als 100 Anwohner:innen.
Wie soll man die Veranstaltung zusammen fassen? Es war ruhiger als vor einem Jahr – Anwohner berichten, dass die Sicherheitslage immer noch nicht befriedigend, aber besser geworden ist. Die Polizei stuft den Hansaplatz nicht als einen besonders gefährlichen Ort ein, die Zahl der Beschwerden und Anzeigen sei trotz Aufforderung, Vorfälle zu melden, nicht gestiegen. Der Wachdienst, der vom privaten Eigentümer des Einkaufszentrums beauftragt wird, bestreift allerdings nicht das Grips-Theater und den Durchgang zur Lessingstraße, hier sollte das Bezirksamt tätig werden. Das Bezirksamt hat aber wenig Geld.
Lichtblicke gibt es dennoch: Mit Lottomitteln für den Bürgerverein soll aus dem U-Bahnhof Hansaplatz ein „Kulturbahnhof“ werden. Auf Basis der Bestandsaufnahme zum Zustand der öffentlichen und privaten Grünflächen im Hansaviertel werden ein Gartenpflegeplan und konkrete Maßnahmen entwickelt; zu hoffen ist, dass die Ergebnisse der Bestandsaufnahme von den Anwohner:innen eingesehen werden können. Da es im Zusammenhang mit der Renovierung des Bundespräsidialamtes dort zu Eingriffen in die Umwelt kommen muss, sollen die Ausgleichsmittel im Hansaviertel zur Aufwertung der Grünflächen investiert werden. Zu der seit Jahren defekten Pergola werden derzeit Angebote für eine Reparatur eingeholt.
Auch der Zustand der Radwege wurde bemängelt: In der Kirchstraße seien die Hochbordradwege zurückgebaut worden, in der Bartningallee und der Klopstockstraße sind sie in schlechtem Zustand. Abhilfe ist jedoch nicht in Sicht: Hochbordradwege sind teuer, und oft gefährlich weil zu schmal. Und die Straßen sind Durchgangs- oder Hauptstraßen, und damit federführend nicht in der Verantwortung des Bezirks, sondern des Senats. Hier müssten nach dem Mobilitätsgesetz eigentlich geschützte Radwege auf der Fahrbahn geschaffen werden.
Das Angebot der Hansabibliothek an Sonntagen wird gelobt – aber dies soll Ende 2026 auslaufen. Das Problem ist, dass aufgrund bundesrechtlicher Regelungen sonntags keine Bibliotheksmitarbeiter beschäftigt werden dürfen, und deshalb nur mit Projektmitteln zusätzliche Angebote geschaffen werden können. Bezirksbürgermeisterin Remlinger ist auch für die Bibliotheken zuständig und hat versprochen, nach Lösungen zu suchen, damit auch 2027 die Bibliothek auch am Wochenende geöffnet werden kann.
Mein Fazit: Es gibt Lichtblicke, aber leider kann ich noch nicht erkennen, dass unser architektonisches Schmuckstück jetzt die Aufmerksamkeit bekommt, die es verdient hätte.
Sonja Kreitmair


